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Was unterscheidet Facebook und Google+ im Kern?

Veröffentlicht von Michael Herkens am 26.07.2011 06:00:00
Der Analysedienst Comscore meldete am vergangenen Donnerstag, dass seit dem Start von Google+ am 29. Juni rund 20 Millionen Personen die Plattform wenigstens einmal besucht haben. Deutschland liegt mit 710.000 Besuchern auf Platz fünf. Die US-Amerikaner stellten mit 5,3 Millionen Menschen die größte Besuchergruppe. Bei der Verweildauer und den Nutzerzahlen liegt Google+ noch weit hinter Facebook zurück. Jedoch zeigt Google+ ein schnelleres Wachstum als Twitter in seiner Anfangsphase.
Quelle: Leon Håland/Paul Allan

Bereits nach 24 Tagen hat Google+ die 20 Millionen User Marke übersprungen. Was bei Facebook 1152 Tage gedauert hat.

Zum rasanten Erfolg des sozialen Netzwerks, das recht schüchtern eingeführt wurde, liegen einige Gründe auf der Hand: Die kinderleichte Einteilung der Freunde, Bekannten oder Geschäftspartner in „Circles", die Nutzern eine effektive Kontrolle erlaubt oder die komfortablen Möglichkeit zur Videotelefonie mit einem oder gleich mehreren Kontakten. Aber lässt sich das Phänomen Google+ im Kern damit begründen? Wohl kaum. Also wo ist aber die grundlegende Differenzierung der beiden Dienste von Google und Facebook? Dort, wo sich auch die beiden Anbieter unterscheiden: Bei der Unternehmenskultur im Umgang mit den Daten der Benutzer!

Datenprotektionismus versus Datenbefreiung

Sind Sie absolut sicher, dass Sie die Kontaktinformationen Ihrer Freunde in einen Dienst importieren wollen, der sie selbst nicht herauslässt? Offensichtlich sieht es Facebook nicht gerne, wenn Nutzer ihre eigenen privaten Daten exportieren wollen. So hat das soziale Netzwerk sowohl die Chrome Erweiterung „Facebook Friend Exporter“ als auch das Tool "Open Data" von Open-Xchange bereits nach kurzer Zeit blockiert.

Facebook lebt davon, dass die User externe Inhalte einbetten und blockiert den Export nach Außen. Damit befinden sich die Daten der Benutzer in der Einbahnstraße und Facebook wird zum schwarzen Loch im Internetuniversum. Hinzu kommen immer wieder Probleme in Sachen Privatsphäre und Spam. Nachdem der Gesichtserkennungsskandal langsam in Vergessenheit gerät, gab es jetzt ein Problem mit dem Video-Feature. Für eine Woche war es bei einigen Accounts möglich, als privat markierte Videos zumindest mit Titeln und Vorschaubildern öffentlich zu sehen. Gemäß Jason Kincaid von TechCrunch wurde dies jetzt auch von einem Facebook Sprecher bestätigt.

Google Takeout
Einen grundlegend anderen Weg verfolgt Google+. Hier ist Datenaustausch über die eigenen Grenzen hinweg möglich. Google steht hier für Offenheit, weil es ein Teil der Unternehmenskultur ist. Ende Juni wurde Google Takeout vorgestellt. Takeout setzt dabei auf offene Formate, so dass sich die Daten möglichst leicht weiterverarbeiten und in andere Dienste übernehmen lassen sollten. Zeitgleich mit dem Google+ wurde der Dienst "Google Takeout" gestartet. Persönliche Informationen der Google-Dienste +1s, Buzz, Contacts und Circles, Picasa sowie Profile können lokal gespeichert werden. Weitere Produkte sollen folgen. Mittelfristig will Google mit Takeout einen Service schaffen, der den Export aller Daten seien es Mails aus Google Mail oder Videos bei YouTube erleichtert und der Nutzer damit alle Nutzungsmöglichkeiten seiner persönlichen Daten hat. Damit schenkt Google dem Nutzer die Hoheit über seine persönlichen Informationen und seinen Daten die Freiheit.

Und mit "Data liberation" meint es Google ernst. Google schreibt:
"Wir machen das, weil wir glauben, dass man alle Daten, die man erzeugt oder in ein Produkt importiert hat, auch wieder exportieren sollte"

Data liberation im google+ Account
Im Google+ Account ist "Data liberation" prominent platziert. Der Konzern will künftig im Rahmen einer hausinternen Data Liberation Front bei allen eigenen Applikationen neben dem einfachen Import auch einen umfassenden Export eigener Datenbestände erlauben. Gerade auf dem Weg in die Cloud ist es wichtig, das Vertrauen der Nutzer zu bewahren und ihnen die Hoheit über ihre Daten zu geben.

Schon 2009 erläuterte Brian Fitzpatrick, Gründer der Datenbefreiungsfront bei Google die Idee:
"Die Menschen sollen sich für die Nutzung unserer Produkte aufgrund der innovativen Anlage entscheiden - nicht aber, weil sie Nutzer beschränken oder geradezu einsperren. Man kann es als langfristige Strategie betrachten, loyale Nutzer zu halten, und nicht als kurzfristige Strategie, Menschen das Weggehen zu erschweren"

Und von Google können wir noch eine ganze Menge erwarten. Erst vor wenigen Tagen sagte Larry Page, Google CEO in Einem der seltenen Interviews:
Google is “only at 1% of what is possible,” and “that is why I am here working hard to lead the company into the next level,”
 

Topics: Google+, Cloud, Data liberation